Polysaccharide in Vitalpilzen

Oft hört man von bestimmten Vitalpilzen, dass sie Polysaccharide enthalten, die für den Körper enorm wichtig seien. Was ist dran an dieser These, hat sie irgendeine Bedeutung?

Cellulose SesselChemisch ausgedrückt, sind Polysaccharide sogenannte Mehrfachzucker, auch als Glukane oder Glykane bezeichnet. Polysaccharidmoleküle bestehen aus mindestens 10, häufig aber aus mehreren Tausend, chemisch miteinander verbundenen Einfachzuckern (Monosaccharide) wie Glukose, Galaktose, Fructose und noch fünf weiteren Einfachzuckern. Die Evolution der Lebewesen hat es verstanden, Polysaccharide zu einer der umfangreichsten und vielschichtigsten Stoffgruppen der lebenden Materie zu entwickeln. Ihre Vielschichtigkeit ist in etwa mit der der Eiweiße (Proteine), zu vergleichen, die im Gegensatz zu Polysacchariden nicht aus Zuckermolekülen, sondern aus einer Aneinanderreihung vieler – manchmal tausender - Aminosäuren bestehen. Beispielsweise zählen so unterschiedliche Stoffe wie Chitin, Cellulose und Stärke zu den Polysacchariden. Die Stärke dient bei Pflanzen, wie das Glykogen bei Menschen, häufig als Energiespeicher. Stoffe aus der Gruppe der Polysaccharide dienen nicht nur als Energiespeicher und als Stützstoffe, sondern in Form spezieller Schleimstoffe wie das Pektin auch zur Regulierung des Wasserhaushalts, weil sie große Mengen an Wasser binden können.

Außer den oben erwähnten physikalischen Eigenschaften hat ein Teil der Polysaccharide – es handelt sich dabei meist um Beta-Glukane - auch bio-physiologische Eigenschaften, die Einfluss auf den menschlichen Stoffwechsel haben. Eine besondere Gruppe von Polysacchariden, die in bestimmten Pflanzen und vor allem in Vitalpilzen vorkommen, greift in das Verhalten unseres Immunsystems ein. Anderen Beta-Glukanen werden positive Wirkungen auf den Fettstoffwechsel (Cholesterinhaushalt), auf den Insulinhaushalt und blutdrucksenkende Wirkungen bescheinigt.

Immunsystem und Polysaccharide in Vitalpilzen – wie passt das zusammen?

Eine Gruppe von Polysacchariden, die vorwiegend aus Beta-1-3- und Beta-1-6-Glukanen sowie aus Proteoglykanen besteht, wird Einfluss auf das Verhalten unser Immunsystems nachgesagt. Es handelt sich dabei vor allem um Wirkungen auf Immunstimulierung und Immunmodulierung. Die Immunstimulierung besteht darin, dass bestimmte Beta-Glukane das Immunsystem zu Abwehrreaktionen anregen, ohne dass die Stoffe selbst für den Körper schädlich sind. Das Immunsystem wird damit ständig trainiert und kann im Bedarfsfall schneller auf eingedrungene krankmachende Substanzen reagieren. Die immunmodulierende Wirkung besteht darin, dass das Immunsystem auf bestimmte Stoffe gezielter reagieren kann. Dazu gehört nicht nur eine eventuell gewünschte Verstärkung der Abwehr, sondern auch eine Abschwächung im Falle überschießender allergischer Reaktionen.

Die Vorgänge der Immunstimulierung und Immunmodulierung sind sehr komplex und (noch) nicht in allen Einzelheiten verstanden. Der Nachweis der Wirkungen bestimmter Beta-Glukane auf das Immunsystem ist aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht lückenlos erbracht, entspringt aber auch teils jahrtausendealter Erfahrungen der TCM (Traditionell Chinesische Medizin).

Was hat der Cholesterinhaushalt mit Polysacchariden in Vitalpilzen zu tun?

Cholesterine erfüllen im Körperstoffwechsel lebensnotwendige Funktionen. Sie verleihen den unzähligen Zell- und Plasmamembranen im Körper ihre Stabilität und bewerkstelligen gemeinsam mit anderen Substanzen z. B. den Transport von Signalstoffen durch die Membranen hindurch. Darüber hinaus bilden Cholesterine die Vorstufen für eine Vielzahl von Steroid- und Geschlechtshormonen. Zum Zweck des Transports im Körper bilden sie Verbindungen mit Lipoproteinen, die sich grob in die Klassen LDL (Low Density Lipoproteine) und HDL (High Density Lipoproteine) einteilen. Während gemeinhin angenommen wird, dass die HDLs die guten und die LDLs die bösen Lipoproteine sind, hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden. Alle Cholesterin-Fraktionen sind für den Körperstoffwechsel sehr wichtig. Jedes einzelne Cholesterin muss seine Funktion erfüllen. Es hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass weniger die Höhe des Cholesterinspiegels für unsere Gesundheit entscheidend ist, als vielmehr das "richtige" Verhältnis LDL zu HDL. Das Verhältnis LDL zu HDL sollte im Idealfall unter drei liegen. LDL/HDL-Verhältnisse, die über drei betragen, werden als gesundheitlich ungünstig eingestuft.

Bestimmte Beta-Glukane der Vitalpilze haben nehmen auf den Cholesterinhaushalt Einfluss. Die LDL-Fraktionen werden verringert, während die HDLs eher gestärkt werden. Per saldo zeigen die Beta-Glukane eine leicht cholesterinsenkende Wirkung und eine Verringerung (Verbesserung) des Verhältnisses LDL zu HDL. Wenn auch die Wirkungen empirisch nachgewiesen wurden, sind die Stoffwechselvorgänge, die den Effekt bewirken, noch nicht alle vollständig verstanden.

Nehmen Polysaccharide in Vitalpilzen Einfluss auf den Blutzucker?

Neben einer Vielzahl weiterer Einflussnahmen auf den menschlichen Stoffwechsel werden Beta-Glukane auch im Zusammenhang mit einer Verringerung der Insulinresistenz und einer verzögerten Zuckeraufnahme im Darm genannt. Beide Wirkungen haben positiven Einfluss auf eine Verhinderung oder zumindest auf eine Verzögerung der Entstehung von Diabetes, Typ 2. Die Insulinresistenz, die dazu führt, dass der Blutzuckerspiegel im Blut nicht oder nur zu schwach auf das Insulin reagiert, stellt einen wesentlichen Faktor für die Entstehung der Krankheit dar.